Ludmila Beker

Textil & Mixed-Media-Werke

Ludmila Beker (geboren in Argentinien) ist Textil- und Mixed-Media-Künstlerin, deren Praxis das Gewicht kultureller Normen konfrontiert, die Frauen auferlegt werden. Ihre Arbeit verwebt Stickerei, Applikation, Pailletten und kühne Stoffassemblagen zu Porträts, die sowohl häusliche Handwerkstraditionen als auch politischen Widerstand widerspiegeln.

Von Argentinien aus eignet sich Ludmila die «Frauenarbeit» (Nähen, Quilten, Verzieren) als radikalen Erzählraum an. Ihre großformatigen Textilporträts destabilisieren Stereotypen von Mutterschaft, Weiblichkeit und Familie und legen die Drücke und Widersprüche offen, die Frauen verkörpern sollen.

Meine Arbeit entsteht aus dem Häuslichen heraus und weitet sich nach außen. Mit Nadel, Stoff und Pailletten erschaffe ich Frauen, die widerstehen, Frauen, die tragen, Frauen, die das Schweigen verweigern. Mich interessiert, wie die Gesellschaft Frauen rahmt — Heilige, Mütter, Sünderinnen, schlechte Mütter — und wie diese Etiketten auf unseren Körpern lasten. Jedes Stück ist zugleich Altar und Protest: glitzernd, andächtig und gleichzeitig wütend.

Con anestesia local
Con anestesia local Mit Lokalanästhesie 2012

Künstlerischer Ansatz

Für mich ist das Malen sowohl Lust als auch Notwendigkeit — der aufrichtigste Weg, den ich gefunden habe, um mich in der Welt auszudrücken. Auch in Momenten des Zweifels kehre ich zur Schöpfung zurück und suche nach Elementen und Situationen, die meine Schaffenslust neu entfachen.

Kunst hat meiner Ansicht nach eine soziale Funktion. Meine Arbeit entwirft eine Version der Wirklichkeit, in der Frauen — seit Jahrhunderten unsichtbar — den Mittelpunkt einnehmen. Ich schöpfe aus der Alltagssprache: Sprichwörter und volkstümliche Redewendungen mit kultureller Bedeutung werden zu Bildern. In diesem Dialog zwischen sprachlicher und visueller Rhetorik, den Roland Barthes beschrieben hat, finde ich das Fundament meiner Praxis. Die entstehenden Bedeutungen sind nie willkürlich; sie gehören zu unserem gemeinsamen kulturellen Wissen.

So visualisiert Hecha bolsa die umgangssprachliche Redewendung für Erschöpfung: der Kopf einer Frau wird zu einer Tasche, die von einer anderen getragen wird. Boquitas cerradas zeigt neun Frauen mit bedecktem Mund — ein Spiegelbild des vielen aufgezwungenen Schweigens. Un nudo en la garganta verkörpert unausgesprochene Angst durch einen buchstäblichen Knoten in der Kehle.

Meine Technik ist gemischt und verbindet häufig Öl, Acryl, Emaille und Collage. Ich integriere Glitzer, Perlen und Pailletten — Materialien, die in meinem jahrzehntelangen Engagement für den Karneval von Gualeguaychú, dem bedeutendsten Argentiniens, verwurzelt sind. Diese Verzierungen sind nicht dekorativ; sie sind Teil meiner Sprache des Widerstands, in der Helligkeit und Zerbrechlichkeit mit Trotz koexistieren. Ich lasse mich von der Kühnheit von Künstlerinnen wie Marta Minujín inspirieren, deren chromatische Strukturen Grenzen überwinden, und von Kuki Benski, die ernste Themen mit Humor angeht. Wie sie glaube ich, dass Kunst ein Prisma ist, durch das wir Erfahrung neu rahmen können. Vielleicht wiederholt sich alle Kunst durch die Zeit, aber ich glaube, die Gegenwart gehört uns — und sie ist besser, wenn sie voller Kunst ist.

Biografie — Lebenslauf

Ausbildung
  • Lizenziat und Lehramt in Bildender Kunst, Fachrichtung Malerei – Kunstfakultät, Universidad Nacional de La Plata (UNLP), Argentinien.
  • Professorat in Kunstgeschichte – Kunstfakultät, UNLP.
Lehrtätigkeit
  • Dozentin für Visuelle Sprache II, UNLP (Bildende Kunst, Design, Kunstgeschichte).
  • Dozentin für Kunstgeschichte, Kostüm- und Modegeschichte I & II – Instituto Superior de Arte, Gualeguaychú.
  • Dozentin für «Körperlichkeit, Spiel und künstlerische Sprachen» – Instituto de Formación Docente María Inés Elizalde.
Jurytätigkeit

Regelmäßige Jurorin auf kommunaler, provinzialer und nationaler Ebene in den Bereichen Malerei, Textilkunst und Karnevalskunst (2009–2024).

Ausgewählte Einzelausstellungen
  • 2022 ABC Chromatic Girl SADOP, Gualeguaychú
  • 2016 Retrospektive Centro Cultural La Solapa, Gualeguaychú
  • 2014 Minas – Seven Visual Cries Alliance Française, Gualeguaychú
Preise & Auszeichnungen
  • 2024 Erste Erwähnung 1. Salon für zeitgenössische Kunst «Camila Nievas», Gualeguaychú
  • 2024 Ehrenvolle Erwähnung in Textilkunst 61. Jährlicher Salon für Bildende Kunst, Entre Ríos
  • 2023 Erster Preis XXVII. Provinzialsalon für Bildende Kunst Linares Cardozo, La Paz
  • 2013 Erster Ankaufspreis Regierung von Entre Ríos, 50. Jährlicher Salon für Bildende Kunst
  • 2012 Erster Preis in Malerei XVI. Provinzialer Sommersalon, Gualeguaychú
  • 2011 Zweiter Ankaufspreis Regierung von Entre Ríos, 48. Jährlicher Salon für Bildende Kunst
Memorias de Infancia
Memorias de Infancia Kindheitserinnerungen 2025

Kontakt

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